Digital Divide

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Die Digital Divide (→WP), auch digitale Kluft oder digitale Spaltung genannt, bezeichnet den ungleichen Zugang zu Computern, Internet und Kommunikationstechnologien aufgrund von Armut oder anderer struktureller Unterschiede.

Aspekte der Spaltung

Die Spaltung verläuft dabei anhand mehrerer Aspekte:

Globale Spaltung
Unterschiede im Zugang zwischen armen und reichen Ländern.
Soziale Spaltung
Unterschiede im Zugang zwischen armen und reichen Menschen, Angehörigen der Unter- vs. Mittel- und Oberklasse innerhalb eines Landes.
Gender Divide
Männer sind eher online als Frauen.
Sprachliche Spaltung
Die meisten Websites und ein Großteil aller Software sind nur auf Englisch oder in wenigen anderen großen Sprachen verfügbar.

Freie Sofware und die Digitale Divide

Die Regime des „geistigen Eigentums“ verschärfen insbesondere die globale Spaltung, da arme Länder nur über wenige eigene Patente und Copyrights verfügen und deshalb systematisch auf „geistiges Eigentum“ aus reichen Ländern angewiesen sind. Dagegen können Freie Software und Freie Inhalte in mehrerer Hinsicht zum Abbau der Digital Divide beitragen:

Anpassbarkeit und Wissenstransfer
Da der Quellcode offen zugänglich ist, kann er vor Ort studiert und angepasst werden. Das führt nicht nur dazu, dass Freie Software eher an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann, sondern erleichtert auch die Ausbildung von Programmierern und anderen Experten (globale Spaltung).
Geringere Kosten für Soft- und Hardware
Bei der Verwendung Freier Software fallen nicht nur die Lizenzkosten für den Erwerb proprietärer Software weg, sondern auch die Hardwareanforderungen sind oft sehr viel bescheidener (globale + soziale Spaltung).
Technologische Unabhängigkeit
Die Entwicklung proprietärer Software wird in einigen wenigen reichen Ländern durchgeführt bzw. kontrolliert. Durch die Notwendigkeit von Bugfixes, Updates und Support entsteht dabei eine dauerhafte Abhängigkeit lange über den Erwerb der Software hinaus, zudem erschweren proprietäre Softwarehersteller oft das Umsteigen auf Alternativen durch Verwendung proprietärer, un- oder schlecht-dokumentierter Formate („Lock-in“). Freier Software kann dagegen relativ leicht vor Ort gewartet und bei Bedarf weiterentwickelt werden; Formate basieren zumeist auf offenen Standards oder sind dokumentiert (globale Spaltung).
Lokalisierung
proprietäre Software wird nur in diejenigen Sprachen übersetzt (lokalisiert), wo sich das finanziell zu rechnen scheint. Freie Software kann von ihren Nutzern dagegen selbst lokalisiert werden und ist deshalb häufig in sehr viel mehr Sprachen verfügbar – so liegt z.B. OpenOffice derzeit in über 50 Sprachen vor [1] (sprachliche Spaltung).

Offene Probleme

Aber natürlich kann dabei Freie Software nicht alle Probleme lösen.

Was die Globale Spaltung betrifft, hapert es in Entwicklungsländern oft an bezahlbaren Internet-Zugängen und u.U. sogar an Elektrizität. Ein anderes Problem ist der Lobbyismus von Firmen wie Microsoft, die Projekte finanzieren und Hardware zur Verfügung stellen und dafür im Gegenzug die Nutzung ihrer proprietären Software verlangen. Zudem ist Freie Software teilweise nach wie vor wenig benutzerfreundlich und intuitiv, was die Zugangshürden gerade bei geringen Computerkenntnissen erhöht.

Ein besonders bedenkliches Phänomen ist die extrem geringe Beteiligung von Frauen im Bereich Freier Software und auch in verwandten Gebieten.

Weitere Informationen

Projekte und Initiativen

In Südamerika, insbesondere Brasilien, gibt es eine Reihe von Initiativen zur Förderung und Verwendung Freier Software, die sich oft um sog. Telecentros konzentrieren.

Projektübersicht- und analyse:

Projekte zur Lokalisierung von Software:

Literatur