Gradueller Übergang

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Die Entwertung/ Befreiung von der Warenform kann wohl kaum „mit einem Schlag“ gehen. Sie hat bereits im virtuellen Bereich, in der Wissenschaft, Kunst, „Care-economy“ usw. begonnen und kommt vielleicht nie, aber jedenfalls erst viel später in den Bereich der „positionellen Güter“ (wie die VWL das nennt) also der schwierigen Reproduzierbarkeit (Villa am Meer usw). Denkbar ist im Zuge der Produktivitätsentwicklung der wertbefreite Bereich sich immer weiter ausdehnen kann bei gleichzeitig (mehr oder weniger) funktionierender Wertverwertung. Es ist wie eine ständige Verschiebung der Übergangszone zwischen Freier Software und kommerzieller (Aus-)Nutzung: z.B. ein Programm, ein Text ist frei im Internet erhältlich. Wenn ich den Text als schönes Buch haben will, muss ich vorläufig noch dafür zahlen. Wenn es die ersten freien Drucker gibt, die Lust haben solche schönen Ausgaben frei herzustellen, könnten auch hier die Waren freie Güter werden usw.

Deshalb ist es vielleicht weniger wichtig, gleich die Frage zu stellen, wie eine Gesellschaft aussehen würde, die ganz ohne Tausch- und Geldlogik auskommt. Vielmehr sollte man überlegen, wie man die schon klar erkennbaren bestehenden Tendenzen zum Überwinden dieser Logik und insbesondere ihrer negativen Aspekte (künstliche Knappheit, wo keine nötig ist; entfremdete, fremdbestimmte Arbeit; Ausgrenzung von Menschen, die nicht genug zum Tauschen anzubieten haben, weil sie z.B. keine Arbeit finden; etc.) ausbauen und verstärken kann. Vielleicht wird am Ende eines solchen Prozesses die Tauschlogik völlig verschwunden sein, oder aber sie wird sich auf Bereiche zurückgezogen haben, wo sie Sinn macht und keinen Schaden anrichtet. Wir wissen es noch nicht, und heutige Antworten auf diese Frage könnten natürlich nur spekulativ ausfallen.

Andererseits aber ist so eine graduelle Entwertung, eine allmähliche „Verschiebung der Übergangszone“, natürlich mit ganz praktischen Problemen verbunden, insbesondere für Leute deren Lieblingsbeschäftigungen/Stärken schon entwertet wurden, während sie ihrerseits aber noch Geld zum Überleben brauchen. Dass Musiker, die gehofft haben, mit Albumverkäufen genügend Geld zu verdienen und damit einigermaßen über die Runden zu kommen, nicht gerade glücklich sind, wenn sie ihr Werk in Tauschbörsen wiederfinden, ist erstmal verständlich. Und auch für Softwareentwickler ist das auch eine ganz konkrete Frage: einerseits möchte man nicht, dass die selbst entwickelte Software geheimgehalten wird und nur einem kleinen Kreis zugute kommt, statt allen die sich dafür interessieren; andererseits muss man von irgendetwas leben.

Wie das gehen kann, damit beschäftigen sich die anderen unter Übergang eingeordneten Artikel.